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Matt Mullican

Dem New Yorker Künstler Matt Mullican, 1951 in Santa Monica Cal. geboren, wurde im Jahr 2000/2001 eine große Überblicksausstellung mit dem Titel „More Details From an Imaginary Universe“ gewidmet, die verschiedene Stationen in Europa hatte. Sie war unter anderem im Kunstmuseum St. Gallen und den Krefelder Kunstmuseen zu sehen. Die Galerie Mai 36 vertritt den Künstler seit 1988.

In Auseinandersetzung mit den uns umgebenden Zeichen, Piktogrammen und Bildern hat Matt Mullican in langjähriger Arbeit einen eigenen Kosmos symbolischer Formen geschaffen, die in seinem Werk immer wieder auftauchen und durch Wiederholungen, Kontextbildung und wechselseitige Verweise eine Art Privatsprache generieren. Doch geht es Matt Mullican nicht darum, konkrete Bedeutungen zu vermitteln oder um Sinnstiftung, sondern eher um das Verstehen symbolischer Prozesse und der formalen Analyse ihrer Strukturen.

Von grundlegendem Interesse für den Künstler waren dabei von Beginn an Phänomene der Projektion und die sich hierdurch erschließende Möglichkeit eine eigene imaginäre Welt zu erzeugen. Die Problematik der Grenzüberschreitung wurde damit zu einem wichtigen Moment in seinem Schaffen. In den siebziger Jahren thematisierte Mullican sie in verschiedenen Performances als „Ins-Bild-Gehen“ und später auch in den Performances unter Hypnose. Die hiermit implizit angesprochene Frage nach dem Status und der Geltung der so geschaffenen imaginären Welten stellt sich aber in allen Werken Mullicans, zumal der Künstler die Subjektivität der Welterzeugung und -aneignung immer wieder betont und auch den totalitären Aspekt dieser Wirklichkeitskonstrukte sichtbar macht. Die Computer generierten Stadtbilder, die auf den allegorischen „Charts“ des Künstlers aufbauen, und seine großformatigen „flags“ zeigen dies besonders deutlich. Durch die situative Einbindung der „flags“ in unterschiedliche Kontexte entwickeln sie auf Grund ihrer piktoralen Prägnanz und extremen Formalisierung bei gleichzeitiger „Bedeutungslosigkeit“ aber auch ein reflexives Moment, dem kritische Brisanz eignet. Dieses subversive Potential kommt auch in den neuesten Werken Mullicans zur Geltung, kurzen zeichentrickfilmartigen Computeranimationen, die der Künstler „Animations“ nennt. Sie zeigen ähnlich wie die Zeichnungsserien der 70iger Jahre Fragmente einer imaginären Welt. Die Stilisierung und Flachheit der Darstellung dieser „Details“ tragen zur emblematischen Wirkung der Animationen bei, der ihnen einen archetypischen Charakter verleiht. Gleichzeitig jedoch bewegen sich diese auf Grund ihrer extremen Simplizität an der Grenze zur Banalität. So erscheinen die Animationen „smoke“, „clock“, „death“, „shadow I and II“ oder auch „boiling pot“ in einer fruchtbaren Spannung von Banalität und Symbolhaftigkeit. Sie bilden eine Antithese zu den ebenfalls in der Ausstellung erstmals gezeigten neuen „Stills“, die gleichsam in der Totalen Überblick über weite künstliche Landschaften bieten. Zwar setzen diese grenzenlos weiten Landschaften dem

aneignenden Blick des Betrachters nichts entgegen, doch zugleich entziehen sie sich ihm in ihrer abstrakten bildnerischen Konstruktion, die zu ihrer auratischen Wirkung beiträgt. Die Hermetik der aus einer endlichen Anzahl von Entitäten konstruierten imaginären Welt, in der alles auch zum Zeichen werden kann, wird in vielen Werken von Matt Mullican deutlich. Mullicans Werk macht die Illusion der Transparenz der Zeichen anschaulich und untersucht ihre durch die jeweiligen Medien gefärbte Opazität, die ihnen ein durchaus beunruhigendes Eigenleben ermöglicht. [Text: Iris Wien]

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