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Magnus Plessen

Der 1967 in Hamburg geborene Maler Magnus von Plessen hat in den letzten Jahren mit seinen Gemälden, welche sich mit der Wechselwirkung von Imagination und Realität, Innen und Aussen, Emotion und Reflexion auseinandersetzen, international Aufmerksamkeit erregt. Die Galerie Mai 36 zeigt den Künstler zum ersten Mal in einer Einzelausstellung. Magnus von Plessen lebt und arbeitet in Berlin-Lichtenberg.

Den Gemälden von Magnus von Plessen eignet etwas Konstruktives an: sorgsam gesetzt bleibt jeder einzelne der Pinselstriche für den Betrachter sichtbar. Die Berührung des Pinsels auf der Leinwand, der Druck und die Geschwindigkeit, mit der der Pinsel geführt wird sowie der unterschiedliche trockene, pastose oder aber lasierende Farbauftrag wird nachvollziehbar. Der Akt des Malens bleibt so als Spur auf der Leinwand für den Betrachter präsent.

Doch geht es hier nicht um den subjektiven Selbstausdruck des Malers oder den Niederschlag seiner emotionalen Verfasstheit beim Malen, sondern gerade um die Reflexion der unterschiedlichen Aspekte des Malprozesses und dessen bildnerische Objektivierung. Magnus von Plessen hat dies in einem Interview mit Ulrich Loock einmal folgendermassen beschrieben: „Der Druck des Pinsels wird ausgeführt und empfangen, abgegeben und aufgenommen, ist nach vorn, vor mich gerichtet und reicht hinein in meine Welt. In einer Art Rückkoppelung spüre ich die Leinwand und der Druck kommt wieder bei mir an: Ich komme in meiner Vorstellung an. Den Strich zu ziehen, ist eine äusserliche Handlung, der ich aus dem Bildinnern beiwohne: Ich bin zugleich involviert, handelnd und beobachtend.“ (Kat. Düsseldorf 2002, S. 19).

Von Beginn an hat sich von Plessen intensiv mit dem Verhältnis von Photographie und Malerei auseinandergesetzt. Meist bilden vorgefundene, aber zunehmend auch selbst verfertigte Photographien den Ausgangspunkt seiner bildnerischen Arbeit. Dabei interessieren ihn für das Medium der Photographie typische Bildstörungen physikalischer oder psychologischer Art, wie etwa das Problem der Überblendung oder das Phänomen, dass wir fast immer unbewusst eine Pose einnehmen, sobald wir photographiert werden. Von Plessen greift die Bildvorlage da auf, wo sie sich selbst konterkariert und ihre vermeintliche Objektivität in Frage gestellt wird. Er spürt gewissermassen ihren blinden Fleck auf. Die Frage nach der Möglichkeit einer umfassenden Wahrnehmung durch das Bild ist damit unmittelbar verknüpft. Durch ihre Reduktion auf den Blick und den weitgehenden Ausschluss eines zeitlichen Momentes schliesst die Photographie eine umfassende Wahrnehmung geradezu aus, da sie das

Dargestellte der - durchaus auch emotionalen - Beteiligung des Betrachters entzieht und es in eine unnahbare Distanz rückt.

Demgegenüber geht es von Plessen in seinen Gemälden um die Erzeugung einer Wahrnehmung, die immer auch Aspekte der Projektion und Reflexion umfasst. Dabei wird die photographische Bildvorlage von dem inneren Vorstellungsbild des Malers überlagert und geht mit diesem eine dichte Wechselbeziehung ein. Die Oberfläche seiner Gemälde, die die Grenze zwischen dem Bild- und dem Aussenraum bezeichnet, hat bei seinen Bildern deshalb auch eine symbolische Bedeutung: sie steht für die Möglichkeit der Vermittlung zwischen innerem Vorstellungsraum und äusserer Realität, Prozessen subjektiver Teilnahme und objektivierender Distanzierung. [Iris Wien]

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