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John Baldessari

Wir freuen uns, eine neue Werkgruppe des amerikanischen Künstlers John Baldessari (*17.6.1931, National City, CA) präsentieren zu können. John Baldessari ist einer der bedeutendsten und prägendsten Künstler unserer Zeit. Er lebt und arbeitet in Santa Monica, Kalifornien.

John Baldessari zeigt die mit Duress Series betitelte Gruppe von Arbeiten zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Ihr Thema – Baldessari hat als thematisches Ausgangsmaterial sich unter Stress befindende Personen gewählt, die er von Fernsehfilmen abfotografiert hat – ist eine Antwort auf unsere „herausfordernden Zeiten“, wie Baldessari meint: „The Duress Series uses as subject matter persons under stress, from movies photographed from T.V. It is a subject I believe suitable for these trying times.“

Drei Bildebenen kommen in der Serie zur Anwendung, welche, durch ihre gewissermassen reliefartige Erscheinung, eine einheitliche, bloss planare Lesart der Bilder verhindern: So gibt es erstens Umrissformen menschlicher Figuren, die sich vor der eigentlichen Bildebene befinden, zweitens die Bildoberfläche selbst und drittens Umrissformen, die unterhalb dieser Bildebene liegen.

Durch das Aufbrechen der Bildoberfläche wird es dem Betrachter verunmöglicht, das Bildgeschehen als kohärente Abfolge zu lesen, geschweige denn in ihm eine sinnvolle Handlung zu sehen. Die mit einer Ausnahme in den drei Grundfarben rot, gelb und blau gehaltenen schattenrissartigen Gestalten verstärken diesen Effekt zusätzlich, zumal sie in ihrer Einfarbigkeit und teilweise verzerrten Darstellung zu kaum noch an menschliche Figuren erinnernden, abstrakten Formen werden können. Das in allen Arbeiten der Serie aufgrund der oftmals stark bewegt erscheinenden Figuren suggerierte Moment der Handlung wird auf diese Weise wieder konterkariert.

So ist zum Beispiel die dreiteilige Arbeit The Duress Series: Person Kicking Over Seated Person (Three Stages) zwar als Bildfolge noch erkennbar, doch bleibt die Handlung der drei Akteure im Ungewissen. Ihnen wird, um je eine Figur versetzt, in jedem Bild der Sequenz eine andere der drei Grundfarben zugeordnet. Durch ihre umrissartige, einfarbige Gestalt wird ihnen so nicht nur jegliche Individualität genommen, sondern die einzelnen Figuren verlieren innerhalb der Bildfolge auch ihre Identität: Die Farbe unterstützt ihre Wiedererkennbarkeit in der Abfolge nicht. Sie folgt in ihrer Zuordnung einem eigenen Gesetz.

Gleichwohl sticht die mittlere Figur, welche der Arbeit ihren Titel gibt, als Handlungsträger der Sequenz aus dem Geschehen heraus. Der Ausstellungsbesucher identifiziert sie nicht nur deshalb sofort als Hauptakteur, weil es sich um die am stärksten bewegte Figur handelt, sondern sie erscheint auch am wenigsten verzerrt und ihre Umrisslinie ist im Unterschied zu den beiden anderen Gestalten kaum von den Bildrändern beschnitten. Da die Farben sich am Übergang von einem zum anderen Bild wiederholen, hebt sie sich zusätzlich von den beiden anderen Protagonisten ab.

Ihre offensichtlich aggressive Handlung – sie tritt eine auf einer Parkbank sitzende Person, so dass diese rücklings mit der Bank nach hinten fällt – erscheint dem zum Zuschauer werdenden Betrachter unmotiviert. Der eigentliche Sinn der Szene erschliesst sich ihm nicht. Obwohl die Rollen von Aktion und Reaktion, von demjenigen der handelt und demjenigen der eine Handlung erleidet, klar verteilt sind, stellt sich beim Betrachtenden keinerlei Mitgefühl für das Opfer ein. Die durch die Farbigkeit erreichte Abstraktion, welche nicht nur zu einem Verlust der Individualität der Darsteller führt, sondern deren Handlung auch zu höchster Allgemeinheit steigert und ihr einen exemplarischen Charakter verleiht, lässt den Zuschauer emotional unbeteiligt. Im Gegenteil, das Geschehen kann beim Betrachten absurde und sogar komische Züge annehmen, so dass man sich beim unwillkürlichen Impuls zu lachen ertappt. Aufgrund dieser Ambivalenz gewinnen die Arbeiten der neuen Serie von John Baldessari etwas äusserst Unheimliches. Doch beunruhigen Baldessaris Bilder auch, weil sich ihre paradoxe Struktur nicht interpretativ auflösen lässt. [Text: Iris Wien]

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