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GALLERY

Matthew Benedict

Die Mai 36 Galerie freut sich den New Yorker Künstler Matthew Benedict (* 1968, Rockville, CT) zum ersten Mal in einer Einzelausstellung in ihren Räumen präsentieren zu können. Bereits 1996 war der Künstler mit seiner Installation „Salvation“ im Sektor „Statements“ der Messe Basel von Mai 36 erstmalig einem breiten Publikum vorgestellt worden.

In seiner Arbeit widmet sich Matthew Benedict kontinuierlich der Entwicklung einer neuen Bildsprache, die sich intensiv mit verschiedenen aus der Hochkunst ebenso wie der Trivialkultur stammenden Bildtraditionen auseinandersetzt. Die großformatigen Gouachen auf Holz treten mit ihrer Größe und in der Andeutung von Handlung in die Tradition des klassischen Historienbildes. Allerdings setzten sie diese mit ganz anderen Mitteln fort, indem sie nicht eine Handlung in ihrem fruchtbarsten Moment vor Augen stellen, wie dies die klassische Bildtheorie forderte, sondern vielmehr das Resultat oder Vermächtnis einer offensichtlich vergangenen Handlung zeigen. Da der Betrachter das Geschehene aufgrund des fragmentarisch anmutenden Bildbestandes etwa in „The Telegram“ oder „The Black Bursolino“ nicht sicher erschließen kann, eignet ihnen etwas ausgesprochen Enigmatisches. Zugleich ist es wohl genau diese Qualität, die den beiden zwischen dem Genre des Stillleben und der Historie oszillierenden Gemälden ihre authentische Aura verleiht. Wie ein fotografischer Schnappschuss scheint die Zeit in ihnen zum Stillstand gekommen zu sein. Schon die sorgfältige Behandlung des Rahmens bei „The Black Bursolino“, aber auch die fast deklamatorische Ausbreitung der Gegenstände dieses Tischstilllebens sowie die präzise, um den zentralen Bildpunkt kreisende Diagonalkomposition bei „The Telegram“ verweisen jedoch auf eine nichts dem Zufall überlassende Bildkonstruktion.

Diese fast obsessive Beschäftigung mit der Konstruktion des Bildes zeigt sich auch in Matthew Benedicts Diptychon „Baker and Chimney Sweep“. Wie sein Fuß andeutet, befindet sich der Bäcker zwar hinter der gemalten, illusionistischen Nischenarchitektur – quasi im Bild –, sein Arm greift jedoch vor die mittlere Säule aus, welche die Bildfelder der beiden Widersacher voneinander trennt. Mit einer ruhig bestimmten, aber nichtsdestotrotz entschieden abweisenden Geste seiner vom Mehl weiß im Licht gleissenden Hand scheint er den Kaminfeger zu berühren und ihn gleichsam am Eindringen ins Bild hindern zu wollen. Die klare Gegenüberstellung von Schwarz und Weiss, einer gezielten Aktion auf der einen Seite und einer agressiv-dynamischen, doch im Unbestimmten verharrenden Reaktion auf der anderen Seite, der ordentlichen Bäckerkleidung einerseits und dem abgerissenen Frack andererseits bilden Oppositionen, die fast mythisch-religiöse Qualitäten annehmen. Damit macht sich Benedict die Strukturprinzipien allegorischer

Bildsprache zu nutze, bei der alle Elemente über sich hinaus auf ein Analogon verweisen. Die Requisiten seiner Darsteller erhalten damit, ähnlich klassischer Attribute, Symbolcharakter, deren Sinn sich jedoch dem Betrachter nicht unmittelbar erschließt und im Rätselhaften verbleibt.

In „Blackamoor“ und „Calendar“ wird dieses Verfahren weiter zugespitzt. „Blackamoor“ erscheint als Personifikation des Winters auf seinem Baumstumpf vor der weitläufigen Landschaft wie eine Parkskulptur eines Barocken Gartens. Sein weisses Kopftuch und der an Bacchus erinnernde Kelch erscheinen in diesem Kontext jedoch als Fremdkörper. Mit dieser Synthese inkongruenter Bilder klingt ein Moment der Trivialkultur an, die aus unterschiedlichen Kontexten, Kulturen und Traditionen umstandslos Anleihen macht, ohne sich um deren ursprüngliche Bedeutung zu kümmern. Benedict spürt den Widersprüchen der so ins rein Formale gewendeten Bildzeichen und der hierdurch einsetzenden Transformation von Bedeutung in seinen Arbeiten nach. Mit einer gewissen Ironie stellt er dabei nicht nur seine eigene Kennerschaft der von ihm angedeuteten Kontexte und ihrer Darstellungstraditionen souverän unter Beweis, sondern schafft dabei auch gültige Bilder unserer Gegenwart und Befindlichkeit. [Text: Iris Wien]

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